2 Jahre

Da war Kuba, mit seinen aufgeschlossenen, improvisierenden Menschen im dahinbröckelnden Sozialismus umgeben von einer kapitalistischen Welt. Sehr frisch sind noch die Tage in Havanna schachspielend im Parque Cervantes als uns der plötztliche Regenschauer auf die Treppenstufen eines Wohnhauses spülte um einen trockenen Platz zu erhaschen. Hernan und ich vergessen die Zeit beim Spiel und nach Mitternacht verabschieden wir uns nach dem letzten SchachMatt mit einem Lächeln. Ebenso fühlte ich mich in Mexiko sehr aufgehoben. Zuerst drei Monate bei der Kiteschule Ikarus und einer tollen Gemeinschaft, lebend ausserhalb der Stadt, abgeschieden an der Küste, das Bett war die Hängematte geschaukelt vom Wind, das Fahrrad stand daneben und noch nie sah ich den Sternenhimmel so klar. Danach querfeldein durch die Dörfer der Halbinsel Yucatans deren Kirchen mich häufig beheerbergten und deren Menschen man stets kontaktfreudig begegnet. In Chiapas, dem südmexianischen Bundesstaat Mexikos, lag dann ein Toter auf der Strasse und der ChiapasKonflikt wurde nahe Realität. Ein Dominostein in der Kette einer kapitalistischen Welt. Auch erfasste mich ein potenter Virus in den letzten Metern in Mexiko dessen Zutaten, schlechtes Wasser, hohe körperliche Belastung sowie ein nicht ganz frischer Fisch waren, der mir in meinem Delirium zuerst eine Spritze in die fünf Buchstaben im Wohnzimmer der Dorfapothekerin und dann 7 Tage Bettruhe verschaffte. In Guatemala konnte ich an zwei Projekten spontanerweise mit Hand anlegen. Zuerst bei longwayhome (lwhome.org) und der alternativen Häuserbauweise aus Müll in Form von alten Autoreifen, Plastikflaschen und sonstigen Plastikmüll. Dort, wo Familien das Schulgeld ihrer Kinder mit Müll bezahlen. Daurauffolgend gewährte mir man bei Mayapedal (mayapedal.org) einen Einblick in die Konstruktion von Maschinen (Waschmaschinen, Maiswolf, Saftpresse) aus alten Fahrrädern. Am Strassenrand in El Salvador ass ich unbekannte Früchte, trank Unmengen an Wasser und traf zum ersten mal auf den pazifischen Ozean. In einem trockenen, kleinen Dorf bei hohen Temperaturen schwitzend erzählte mir im Schatten ein Hühnerschlächter mit blutverschmierter Schürze Schauergeschichten von den gefährlichen Banden in der Hauptstadt Honduras. In Nicaragua traf ich Carlos wieder, den ich bereits aus Fuerteventura kannte bei seinem entstehenden Projekt calalas (www.calalas.com) einem etwas anders funktionierenden Hostel. Die Städte Leon und Granada luden ein länger zu bleiben, aber die Lust auf die Weiterreise nach Costa Rica  überwog. Dort hatte ich mehr Kontakt mit Fauna und Flora als mit den Ticos (Costa Ricanern), da sehr wenig Leben am Strassenrand anzutreffen war. Im Süden, einem Steinwurf vor der Grenze Panamas, machte ich „am Ende der Strasse“ Bekanntschaft mit einer netten Gruppe, die gerade eine Permakultur-Yoga-Ort aufbaut (germinar.cr). In Panama gab mir die jeweils örtliche Feuerwehr regelmässig einen Patz für das Zelt zum Übernachten und als es an den Grenzübertritt zu Kolumbien ging, wagte ich mich nochmals aufs Segelboot im Schutz der San Blas Inseln bei ruhigen Seegang des karibischen Meers. Mit halbvollen Kraftreserven fuhr ich durch das beeindruckende Kolumbien mit seinen herzlich einladenden Menschen, durch bergige Landschaften teilweise über der Wolkendecke. Am Ende des ersten Landes in Südamerika fiel ich in ein Loch und war gesättigt mit Eindrücken. Dieses Gefühl entstand durch die für mich lange Reisezeit und Strecke auf dem Rad ohne längeren Aufenthalt, durch sich oftmals wiederholende Situationen, einer zunehmenden Reiseroutine und der Normalität des geografischen Vorankommens. In Ecuador ging es bergig und Höhenmeter fressend weiter bis ich nach San Antonio de Ibarra kam und dort das Zentrum der Holzhandwerkskunst im Erstellen von Figuren und Skulpturen sah. Lernend in der Werkstatt, einen Alltag zu leben, zu wissen wo man schlafen und essen wird und sich bei Familie Fuentes zu Hause zu fühlen schaffen einen angenehmen Kontrast und Kompensation. Danke an die Reise…

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Eine Antwort zu 2 Jahre

  1. Eleonore Janka schreibt:

    Hallo Oliver,herzlichen Glückwunsch zum 2Jährigen.Bin gespannt wohin Dich Dein Radl noch transportiert!!Auf jeden Fall:weiterhin gute Fahrt! Liebe Grüße. Lore

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