Mexiko – kontaktreich

Viele Kontakte entstehen bei der Fahrt durch den Bundesstaat Yucatan. Die Menschen nehmen einen sehr gut auf. Der Umgang ist respektvoll, unaufgeregt und angenehm. So komme ich auf dem Weg mit dem Schreiner Wilbert in Kontakt und er hat sofort Zeit. Unter einem löchrigen Wellblechdach steht von Sägespähnen umgeben ein Kinderstuhl und –tisch, den er gerade fertiggestellt hat. Seit 21 Jahren betreibt er seinen kleinen Betrieb mit zwei Maschinen. “Mein Baustoff wächst so schnell nach”, sagt er mir mit einem lächeln und sieht auf die Bäume, die nebenan stehen.

P1020928-800x600Auch Jose hat Zeit mir seine Arbeit zu zeigen. Er repariert gerade einen Mopedmotor. Ein Getriebeteil hat den Geist aufgegeben. “Das ist schnell repariert. Morgen läuft das Moped wieder”, meint er und ich drehe den Kopf zu dem Moped, das mehr oder weniger nur noch aus dem Rahmen und den zwei Reifen besteht.

 

P1020830-800x600Südlich von Campeche ist das Gebiet weniger besiedelt und die Strecken zwischen den Dörfern werden größer. Auf dem GPS sehe ich eine kleine Ansiedlung von Häusern. Als ich dort ankomme stehen am Straßenrand Häuserruinen und der Magen knurrt. Ich koche selbst im Moment relativ wenig, da im dicht besiedelten Yucatan der Verkostung gut und gleichzeitig preiswert ist. Doch heute scheint mir keine Essensmöglichkeit über den Weg laufen zu wollen, denke ich. Ich fahre weiter durch das Ruinendorf und siehe da, die Häuser werden vereinzelt bewohnt. Auf der Suche nach Essbaren werde ich zu einem Wohnhaus gelotst. Oftmals werden Essen, wie auch in Kuba, direkt aus dem eigenen Haus verkauft. Ich habe Glück und mich empfängt eine nette Familie zum Mittagessen.

P1020836-800x600Und so geht es weiter. Die Menschen sind einfach nett. In Hopelchen sitze ich am Straßenrand bei einem Imbiss und es kommt Daniel angefahren. Er holt gerade das Mittagessen für sich und seinen neuen Chef. Seit einem Monat repariert er Klimaanlagen von Autos. Direkt frage ich ihn wo man in diesem Dorf am besten sein Zelt aufstellt. Er zückt sein Smartphone und ruft direkt seinen Chef Luis (im Bild rechts) an, um nachzufragen, ob ich dort übernachten kann. Der Betrieb ist noch im Aufbau und so reparieren Daniel und Luis bis in die Nacht hinein unter einer Plane und im Licht der öffentlichen Straßenbeleuchtung Teile einer Klimaanlage. Am Abend im Zelt liegend, denke ich mir – wer in Deutschland hätte nach einem Monat Betriebszugehörigkeit seinen Chef gefragt, ob ein Typ von einem anderen Kontinent auf dem Betriebsgelände sein Zelt aufstellen kann?

P1020907-800x600Es kommt ein Herbstgefühl auf. Die Bäume verlieren ihre Blätter und das Licht der Sonne vermitteln einem dieses Gefühl. Ostwind treibt mich durch die Kornkammer Campeches, ein Teilgebiet von Yucatan vorbei an Mango- und Orangenplantagen sowie Viehzuchtanlagen. In der Stadt Campeche angekommen finde ich eine wenig touristische Stadt mit einem farbenfrohen Markt vor und die Temperaturen brechen durch das Herbstflair. Das Thermometer zeigt über 35 Grad. Außerdem ist Karneval und Victor kommt extra dafür angereist um ein klassisches Konzert zu besuchen. Das Synfonieorchester von Campeche spielt zum Faschingsauftakt Stücke aus „Karneval der Tiere“. Wir treffen uns zufällig im Hostel und brechen gemeinsam zum Konzert auf.

TaP1020941-800x600gelang fahre ich geradeaus. Man sieht, dass die Menschen von der Straße leben, von der Verkehrsverbindung zwischen Campeche und Palenque. Immer wieder wiederholen sich die gleichen Geschäfte am Straßenrand – Restaurants, Reparaturwerkstätten, Hotels, Tankstellen. Das Land liegt größtenteils brach mit vereinzelten Ranchos (Agrarbetrieben). Unzählige Trucks ziehen vorbei durch die Schlagader dieser Gegend. Bei Raffa (siehe Bild) mache ich Halt. An seiner Holzhütte am Straßenrand tauscht er in Windeseile große Reifen. „No pasa nada“ (Kein Problem), ist sein Motto. Das Zelt stelle ich hinter seiner Hütte auf und bin von seiner unkomplizierten Art beeindruckt. „Was machst Du mit den alten Autoreifen“, frage ich mit einem Blick auf den großen Haufen von verschliessenen Reifen. „Zum Fangen von Tintenfisch verwenden wir die Reifen“, nehme ich unwissend entgegen. Die Reifen werden aufgeschnitten und im Wasser versenkt. Eine Boje zeigt deren Standort. Nach einer Woche nisten sich dort Tintenfische ein und die Angelschnur wird direkt an der Boje ins Wasser geschmissen.

P1020821-800x600An den Imbissstände und in eigentlich allen Geschäften ist die Verwendung von Plastiktüten inflationär. Es ist unglaublich, dass selbst beim Kauf z.B. eines Apfels eine Plastiktüte verwendet wird und beim ausdrücklichen Verzicht davon abgesehen wird. Vor der Plastiktüte wurden Naturprodukte wie Blätter für die Verpackung verwendet, die dann im Straßengraben landeten. Das Verhalten hat sich nicht geändert, nur dass das Blatt nun eine Plastiktüte ist. Und so sieht man vor oder hinter vielen Dörfern Müllhalden. Auf einer besonders großen Müllhalde herrschte Endzeitstimmung. Im Rauch des verbrennenden Plastikmülls kreisten die Geier auf der Suche nach Essbaren. In Gesprächen mit den Menschen wird das Problem zwar erkannt, aber darauf verwiesen, dass man die Plastiktüte oder das Plastikgeschirr ja schon so lange verwendet !!

P1020824-800x600In den Dörfern werde ich auf die Frage nach Übernachtungsmöglichkeiten drei Tage hintereinander auf Kirchen verwiesen. Die verantwortlichen Personen empfangen mich herzlich und weisen mich meist in ein Nebengebäude der Kriche ein, wo ich das Zelt aufschlagen kann. Sehr fürsorglich wird sich nach meinem Befinden informiert und in Aguacatal bringt man mir ein Abendessen vorbei. Die Stimmung in Aguacatal ist besonders gut. So werde ich direkt bei der Ankunft von einer Fußballmannschaft im Grundschulalter aufgenommen. Das Feld ist direkt neben der Kirche. Ein Baum in der Mitte des Spielfeldes ist ein ungewohnten aber lustiges Hindernis.

Bereits vor der Ankunft in Palenque zeichnet sich am Horizont die steigungsreiche Bergwelt ab. Die letzten Tage stieg die Temperatur bis auf 37 Grad. Ich bin froh in Palenque Rast machen zu können und die Zeit mit dem Besuch der ansässigen Ruinenstadt zu verbinden. Der anschließende viertägige Aufstieg von 50 Höhenmeter auf 2200m verläuft mit einem stetigen auf und ab. Auf dem Weg begleitet einem das Affengebrüll aus dem dichten Urwald am Morgen und in der Ferne kreisenden Adlern in der Thermik der zunehmenden Sonne. Bei einer Bergfahrt wird einem die Wichtigkeit der einzelnen Abschnitte besonders bewusst. Die schweren Aufstiege und erholsameren Strecken, der Schweiß und die Bergabfahrt, die Erholung in den Pausen und das Funktionieren des Fahrrads, Gedanken zur Motivationsstiftung und gute Nahrung, Zweifel und Respekt auf der Strecke, der erste und der letzte Pedaltritt – alle waren sie gleich wichtig.

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Danke für das zu Hause.

San Cristobal, das heißt angenehme Atmosphäre, frabenfrohe Märkte, internationale Traveller und Ausruhmodus. Ich genieße den Aufenthalt in der zweitgrößten Stadt Chiapas im Casa Azul von Ivan. Danke für das schöne zu Hause ich habe mich sehr wohl gefühlt! Morgen geht es weiter Richtung Grenze zwischen Mexiko und Guatemala. Die letzten Kilometer einer kontaktreichen Reise durch Mexiko.

 

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