Honduras, Nicaragua & Costa Rica – Unterschiede in Jurassic Parc

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Hola Honduras! Bei der Hitze tut ein Hut gut.

Der Einstieg in ein neues Land ist jedesmal spannend und interessant. Insbesondere wie sich das Bild und die Vorstellungen ueber die unbekannte Region entwickeln. Der Aufenthalt wird allerdings nur kurz andauern, da das Land ueber einen breiten Norden trichterfoermig in einen schmalen Sueden zulaeuft und ich diese Stelle passieren werde. Die Strasse zieht sich in Suedhonduras Richtung Landesinnere mit kleinen Bergen, die die Waerme speichern und Winde abschirmen. Somit sind, nicht nur fuer mich, die Tage Mitte April, die heissesten meiner bisherigen Reise. An der Strasse stehen vereinzelt Siedlungen bestehend aus Lehmhuetten und Baracken aus Plastik und Pappe in der kargen und trockenen Landschaft. Neben Schauergeschichten ueber die Banden in der Hauptstadt Honduras bekomme ich im Schatten eines kleinen Dorfes den Hinweis, dass man bei der Feuerwehr in der naechsten Stadt gerne das Zelt aufstellen kann. In Nacaome werde ich sehr nett und interessiert empfangen und mir wird die komplette Feuerwehrstation samt der neuen MAN-Zugmaschine stolz gezeigt. Am naechsten Tag kommt es mir noch heisser vor und anhalten verbietet sich, da sonst der Fahrtwind ausbleibt. Die Strasse gleicht mittlerweile einem Flickschusterwerk und die Bruecken fuehren ueber ausgetrocknete Fluesse.

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Während Bart seinen Platten flickt, legt sich mein Rad tiefer und ich bemerke, dass beide Reifen gleichzeitig platt sind.

In Nicaragua mildert ein straffer Gegenwind den Hitzewall geringfuegig. In Leon, einer sehr bunten und lebendigen Stadt treffe ich Bart, der mit seinem Fahrrad aus Holland kommt, kennen. Wir fahren einige Tage zusammen in Nicaragua suedwaerts. Dabei uebergibt er mir recht elegant seine Plattenserie. Am Tag, an dem ich ihn kennenlerne, wache ich am Morgen mit einem Platten Reifen auf. Sein Karma eilte ihm schon vorraus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich in ganz Zentralamerika, seit Kuba, keinerlei Probleme reifentechnischer Art. Der gemeinsame Weg fuehrt entlang des grossen Nicaraguasees, ueber Managua, die unansehnlich und weitlaeufige Hauptstadt des Landes, vorbei an Vulkanen und Lagunen nach Granada. Im historischen Museum von Granada bekomme ich das Konterfeis eines alten Bekannten zu Gesicht. Che Guevarra gruesst von den Waenden, der bei der Revolution in Nicaragua bei der Ausbildung von Kaempfern mithalf.  Mit Bart kann man sich gut ueber das Radlerdasein austauschen. Daraufhin veraendere ich die Bepackung des Drahtesels. Das Reisen zu zweit erfordert andere Faehigkeiten und man ist weniger auf sich selbst fokussiert.

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In Popoyo am Pazifik im Süden Nicaraguas treffe ich Carlos (links) und seinen Bruder Juan, die hier in der Anfangsphase eines Gemeinschaftshauses sind.

In Granada trennen sich, wie bereits erwaehnt, unsere Wege. Waehrend Bart direkt Richtung Grenze nach Costa Rica aufbrechen will, fuehrt mein Weg meerwaerts Richtung Pazifik nach Popoyo. Vor ca. einem Jahr traf ich in Fuerteventura auf den kanarische Inseln Carlos. Er erzaehlte mir damals von seinem Projekt eines Gemeinschaftshauses in Nicaragua, in dem Menschen aus der ganzen Welt am sozialen, kognitiven, informativen und materiellen Austausch partizipieren. Die kaum befahrene und unbefestigte Strecke dorthin ist eine willkommende Abwechslung und ich freue mich sehr darauf Carlos wieder zu sehen. Zusammen mit seinem Bruder Juan befinden sie sich in der Anfangsphase des Projektes (www.calalas.com). Auf dem Grundstueck, auf dem das zukuenftige Haus stehen soll, baue ich mein Zelt auf. Bei der Abreise vom Pazifik beginnt fast puenktlich, Ende April, die Regensaison und ich spuere erstmals seit mexikanischen Boden Wasser von oben.

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Hola oder besser gesagt Pura Vida Costa Rica!

Die kilometerlange Schlange von Lastwagen, die vor der Grenze stehen und dessen Fahrer im Schatten der ueppigen Vegetation auf die Weiterfahrt warten, werden mich spaeter zum groessten Teil wieder ueberholen. Der Wald, der direkt an der Strasse anschliesst wird sofort dichter und voller und besiedelt die Huegelketten. Strommasten bestehen aus Stahl. Motorradfahrer tragen einen Helm. Das Auge findet keinen Muell in der Landschaft. Saubere Fluesse durchqueren die Waelder. Als Transportmittel sieht man statt Stierkarren oder mit Menschen bepackten Ladeflaechen von Lastwagen stattdessen klimatisierte Busse und neuwertige Autos. Die Haeuser in den Doerfern erscheinen solider verarbeitet mit massiven Holztueren und Glasfenstern. Allgemein erscheint das Land weniger zersiedelt zu sein. In der ersten groesseren Stadt, in Liberia, passiere ich eine Recyclingstation. Im zentralen Park gibt es einen Trinkwasserbrunnen und eine Gruppe Jugendlicher sammelt im Rahmen eines Projektes umliegenden Muell ein. Am ersten Tag in Costa Rica sehe ich mehr Voegelarten als auf der gesamten, bisherigen Reise. Die Strasse glitzert nicht mehr mit fein zermahlenen Glassplittern auf dem Asphalt in der Sonne und Umgehungsstrassen reduzieren das Verkehrsaufkommen in den Stadtkernen. Costa Rica, das Musterlaendle, Zentralamerikas.

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Die Umweltpolitik ist auch auf den Geldscheinen wieder zu finden.

Wo sind die herrenlose Hunde, die auf den Martkplaetzen und zwischen den Essensstaenden schleichen? Wo sind die brennenden Muellhaufen am Morgen neben den Wohnhaeusern am Strassenrand bestehend aus Holzabfaellen, Kanistern, Flaschen und anderen Muell aus Plastik? Wo sind die fahrenden und improviesierten Verkaufsstaende in den Gassen? Wo ist das Leben auf der Strasse? Ich fuehle mich etwas alleine. Costa Rica, ein sicheres Land ohne Militaer, das seine Mittel stattdessen in Bildung und Gesundheit investiert und auf Oekotourismus setzt, avanciert zum Klassenprimus an der, wie an einer Perlenkette angereihten Staaten Zentralamerikas. Hinter ihren Karossen verschlossen, gruessen hupend zwar einige Ticos (Costa Ricaner), die ihr Fahrrad mit neuen Autos durch die wunderbare Natur fahren, allerdings spielt sich im zentralamerikanischen Vergleich relativ wenig auf der Strasse ab.

P1040432-800x600An die Stelle der Kontakte mit Menschen rueckt die Flora und Fauna. Leguane sieht man am Boden flitzen und auf Baeume klettern und stellt man das Zelt unweit der Strasse auf bekommt man schnell, unerhofften, tierischen Besuch: Frosch, Ameise, Nasenbaer, Affen, Papageien, Kakadus sind schon da. Mit den Regenfaellen veraendert sich auch das Klima. Die Zeit des wolkenlosen Himmels ist vorbei und damit weniger direkte Sonneneinstrahlung und angenehmere Temperaturen. Mit den Regenschauern kuehlt sich die Luft ab und die Regenwaelder dampfen. Nichts desto trotz bahnen sich Schweissbaeche aus dem Ursprung der Stirnregion durch die Augenbrauen und versperren dem Fahrradfahrer die Sicht. Im Sueden Costa Ricas fahre ich durch Bambus- und Palmenwaelder, entlang pazifischer Straende und Wasserfaelle, die sich zu Baechen entwickeln und vorbei an kreischenden Papageienscharen, die es sich in den Baumkronen ueber den Regenwaeldern bequem gemacht haben.

P1040587-800x600In den letzten Wochen bin ich gut vorangekommen und nunmehr nicht weit von der Grenze zu Panama entfernt. Ich biege rechts auf die Halbinsel Osa ab. Die schoene Teerstrasse fuehrt entlang des Fusses des Nationalparks Cocovado, den die Zeitschrift National Geographic,mit die groesste Biodiversitaet der Erde bescheinigt hat. Ich geniesse die anfangs huegelige und spaeter ebene Strecke. Der Verkehr reduziert sich auf pendelnde Busse und wenige andere Fahrzeuge. Es regnet stark, donnert und blitzt. Nach ein Paar Stunden erscheint die Sonne und die Temperaturen steigen. Es entstehen Bedingungen fuer Wachstum. Diesen Begriff verwenden wir hauptsaechlich in Bezug auf unser Wirtschaftssystem. Doch an dieser Stelle in Verbindung mit der Natur, finde ich ihn treffender. In dieser Zeit bemerke ich oder wie D. Brown zu sagen pflegt, es faellt mir wie Schuppen von den Augen, wie stoerend der Strassenverkehr eigentlich ist, wieviel Platz er benoetigt und Laerm erzeugt und mit welchen Selbstvertrauen sie einen von der Strasse hupen moechten, nur weil man einen halben Meter ihrer heiligen Fahrbahn okuppiert. Verrueckte Welt! Doch hier, durch die Halbinsel Osa, erfreue ich mich daran der Natur fahrend zu zuhoeren.

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