Spanien – durch die Provinz Valencias

P1000975Ich verlasse Barcelona. Aber eigentlich habe ich dazu keine Lust. Der Körper ist hier erstmals richtig zur Ruhe gekommen. Ich bin noch ziemlich müde und die Kontakte in den wenigen Tagen sind zu gut um weiter zu ziehen. Dazu kommt noch, dass es sich bis jetzt als nicht immer einfach erwiesen hat Großstädte zu verlassen, d.h. den richtigen Ausgang zu finden. So ist es auch diesmal und die nicht notwendige Fahrt auf die Anhöhen von Barcelona verschaffen mir nochmals einen Blick auf die Stadt. Bei der Ausfahrt durch die beiden Türme kommt Gulio auf mich zu. Ein Italiener, der gerade auf Reisen in Barcelona ist. Beim Gespräch über mein Vorhaben gewinne ich neue Motivation weiter zu fahren. Es ist ein bißchen so, als ob die Reise nochmal beginnen würde – alle Anehmlichkeiten hinter sich zu lassen. Ich lerne, dass das Reisen auch loslassen heißt.

P1000984Das Fahrradfahren auf den stark befahrenen Nationalstraßen bin ich langsam gewohnt. Es ist nicht schön, da man langsamster Teilnehmer ist, seinen kleinen Platz am Rand der Straße verteidigen muss und nicht überall anhalten kann. Die Strecke südlich von Barcelona ist stark mit LKW´s frequentiert, deren Fahrtwind mich jedesmal ein Stück zur Seite rücken lässt. Heute mache ich schon früher Feierabend da in 10 Kilometern ein Kernkraftwerk wartet, das unweit der Straße direkt am Meer liegt. Wie in Frankreich erschreckt es mich immer wieder, dass man diese Technologie verwendet und es erinnert mich an ein Zitat von Einstein: „Der Mensch erfand die Atombombe, doch keine Maus der Welt würde eine Mausefalle konstruieren.“

P1010049Mein Ziel heißt Trabucador im Ebro-Delta. Eine Bergabfahrt trägt mich in das Landdreieck, das in die Costa Daurada ragt. In diesem Gebiet wird fast ausschließlich Reisanbau betrieben. Es ist gerade Erntezeit und viele Bauern sind mit ihren Traktoren und Anhängern unterwegs. Der über 900 Kilometer lange Fluss Ebro speist diese Region mit Wasser bevor er in das Meer mündet. Genauso wie in Beauduc befinden sich viele Kanäle und Anlagen zur Bewässerung in den ebenen Feldern. Ich bin auf der Suche nach der langgestreckten Landzunge, die sich an das Landdreieck anschmiegt und sehr beliebt bei Kitern ist. Doch hier ist nicht mehr viel los und die Windprognose sagt nichts Gutes. Ich treffe Julian, der nur zur Hauptsaison zwischen Juni und September hier wohnt und Inhaber einer Kiteschule in Trabucador ist (www.mestral-kite.com). Das gemeinsame Warten auf den Wind nimmt ein tolles Ende. Allerdings werden große Schirme gebraucht. Die Locals leihen mir Equipment, sodass wir zu einigen Metern auf dem Wasser kommen. Danach laden wir mein Gepäck in den Anhänger von Julian. Das Fahrrad und mein Anhänger werden am Strand festgekettet. Ganz spanisch kochen wir in Julians´ Haus zu später Stunde noch groß auf mit katalanischer Wurst, Fleisch und Gemüse.

Blitze erhellen das Zelt. Donner ist in der Ferne zu hören. Ich werde früh wach. Den Bauern, der mir gestern erlaubt hat auf seinem Orangenbaumfeld zu übernachten kann ich nicht mehr „Auf Wiedersehen“ sagen. Ich beeile mich, räume das Zelt zusammen und springe in das Radkostüm. Die dunklen Wolken verleihen mir Pegasusstiefel. Es ist Herbstanfang und man sagt im Oktober soll es P1010065schlechtes Wetter geben. Diese Prognose erscheint mir nach meinem bisherigen Aufenthalt in Spanien etwas absurd. Kein einziger Regentag und Sonnenschein füllen meinen Erfahrungsschatz. Ich verlasse Katalonien und in der Provinz Valencia wird sich das Wetter ändern. 3 Tage mit regnerischem Wetter. Nur wenige Dinge sind noch trocken. Eines Morgens befindet sich das Zelt in einer Wasserlache. Der Wind bleibt zudem auch aus. Dafür werde ich mit einem weiteren Stadtfest in Benicasim überrascht. Ein nicht tödliche Version des Stierkampfes findet hier statt. Am Zaun der Arena stehen mutige, junge Burschen, die den Stier an den Hörner packen wollen um ihren Mut zu beweisen.

Instinktiv halte ich beim Supermarkt an. Der Tageskilometerzähler ist schon jenseits der 80. Der Körper schreit nach Zucker, obwohl ich vor einer Viertelstunde die 3. Mahlzeit verzehrt habe. Im Schatten raste ich ein wenig und während ich die Tafel Schokolade esse, nehme ich mir für den Tag nur noch vor eine Stranddusche zu finden. Ich bin wieder im Sattel und es zieht sich eine Steigung durch die Stadt Benissa. Ich bin froh über die 1000 Kalorien von vorhin. Die Autos hupen hinter mir. Aber nachdem ich gesehen habe wieviel Straßen für Autos im Vergleich zu Fahrradwegen gebaut werden, lässt mich das Hupen kalt. Die Steigung ist geschafft und es zieht sich eine wunderschöne 5 Kilometer lange Bergabfahrt durch eine Terrassenlandschaft angrenzend an die Stadt Calpe. Ich lasse mich bis in die nächste Stadt Altea ausrollen. Dort frage ich einen dunkelhaarigen schmächtigen Mann mit seiner Tochter nach Strandduschen. Leider gibt es keine… Simoné ist gerade mit seiner Tochter P1010121am Strand. Ich soll eine Stunde hier warten, dann kann ich mich bei Ihm duschen und dort auch mein Zelt aufstellen. Aus der einen Nacht werden zwei. Er hat gerade zwei Tage frei. Er arbeitet als Pizzabäcker in Altea, das umrahmt vom Bergmassiv ein eigenes Mikroklima hat, das sich in einer Jahresdurchschnittstemperatur von 19°C und einer produktiven Landwirtschaft widerspiegelt. Z.Zt. ist die Arbeit im Restaurant eher rar und die folgenden Monate sind auch eher lau, bevor im Arpil die Saison wieder beginnt. In den Wintermonaten nimmt er sich Zeit für Kunst. Während meines Aufenthalts bestücken wir einen Keramiktisch, spielen Schach und kochen gemeinsam.

P1010129Mein neues Tor zur Welt: ein Radio. Doch die Freude über die neue Lernmöglichkeit des Spanischen wird schnell mit einem weiteren Speichenbruch getrübt. Es ist Samstag und der einzige Radladen in Guardamar hat heute ausnahmsweiße geschlossen (siehe Bild). Die Speichen des Hinterrads haben ihren Zenit langsam überschritten. Ich verstehe nicht, warum bei normaler Fahrt auf ebenen Asphalt die Speiche bricht. Eine Stadt weiter – Torrevieja. Es ist bereits 15 Uhr und alle Passanten antworten, dass die Radläden bereits geschlossen haben. Im Internet suchend wird diese Aussage bestätigt. Ich freunde mich mit dem Gedanken an nach 30 Kilometer ein Nachtquartier zu suchen. Das GPS zeigt eine freie Fläche in der Nähe der Stadt an. Auf dem Weg dorthin fahre ich an einem Sportgeschäft vorbei – ja, ich werde fündig. Die stundenlange Suche nach Speichen findet, unerwartet ein gutes Ende. Torrevieja ist zugleich, die letzte große Stadt im Süden der Provinz Valencia. Nach Wind lechzend freue ich mich bereits auf den weiteren Süden Spaniens.

Hier gehts zur Bildergalerie: https://windtramp.org/2015/10/04/bilder-spanien-durch-die-provinz-valencias/

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