Arbeit im weiteren Sinne?

Heute morgen auf dem Weg zum Strand nach Cotillo fragte mich ein Kiteschüler im Auto, ob das Arbeit für mich sei was ich tagtäglich mache. Ich blickte erst verdutzt drein doch nach einigen Sekunden erschien mir seine Frage berechtigt. Vor 5 Minuten holte ich ihn mit seinem Sohn von einem der teuersten Hotels von Corralejo ab. Frisch geduscht, gefrühstückt und im Urlaubsmodus im Auto sitzend erblickt er gerade die Insel Lobos als wir eine kleine Anhöhe passieren. Klar, er sieht den Ausschnitt, dass ein braungegärtber Kitelehrer ihn bei 28°C mit einem lockeren Spruch begrüßt und es ab zum Strand geht. Und dabei hat er mir gerade diese Frage gestellt. Bevor ich ihn um 10 Uhr abholte begann der Tag um kurz vor 9 Uhr. In der Kiteschule mussten Kites, Neoprenanzüge, Trapeze, Helme, Schwimmwesten und Bars gewaschen werden. Außerdem findet man immer wieder ein Loch in einem Kiteschirm, das repariert werden möchte. Man tauscht sich mit den Kollegen über die Geschehnisse der letzten Tage aus – Kiteschüler, Material, Ablauf des Tages, ect. Und fährt dann zum ersten Kitekurs am Vormittag. Jeden Tag Sonne, Wind, Salzwasser, Schweiß, durch den tiefen Sandstrand laufen, Kiteleinen, Kites, Bars, im Wasser Kiteschülern hinterherschwimmen, Bus ein- und ausrähmen, Sachen säubern, gut drauf sein, Kiteschüler beraten, Lernziele aufstellen und je nach Profil verbessern. Jeder Kiteschüler möchte zufriedengestellt werden. Ein vorgegener Zeitrahmen für die Kurse sowie Hin- und Rückfahrt zu den Schulungsstränden erzeugen einen Zeitdruck, sodass oftmals nur 10 Minuten zum „Mittagessen“ bleiben, aber vor einer Bootsstunde am Nachmittag möchte man sowieso nicht zu viel Essen. Um etwa 20 Uhr schließe ich die Bustüren ab und hänge den Autoschlüssel der Kiteschule an den Haken – Feierabend. Somit kann ich die Frage mit ja, es ist Arbeit beantworten. Aber definitiv Arbeit, die mir auch Spaß macht, Arbeit mit der ich meine Weiterreise finanziere sowie Arbeit, in der ich meine Leidenschaft übermitteln kann.

Muchas Gracias a mi amigo Kuky

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2 Antworten zu Arbeit im weiteren Sinne?

  1. Eleonore Janka schreibt:

    Danke für Bericht.Ich glaube,Deine Schüler warten im Schuljahr 2016/2017 umsonst auf ihren beliebten Lehrer.Ob Du wohl nochmal zurückkommst??Liebe Grüße. Lore

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  2. wainman schreibt:

    Hallo Oliver, der Kiteschüler, den du vor einigen Tagen mit seinem Sohn in einem der teuersten Hotels von Corralejo abgeholt hast, hat gestern bei dir seine letzte Session gehabt…. und gleich mal dies vorweg… ohne RedShark und ganz besonders ohne dich, wäre das Päckchen an Erinnerungen, was ich dieses Jahr mit aus dem Urlaub nach hause bringe deutlich ärmer und kleiner als es jetzt geworden ist. Die Frage, ob dein Alltag hier in Fuerte „Arbeit für dich ist“ würde ich heute, nach dem Tag gestern, übrigens nicht mehr so formulieren wie vor ein paar Tagen…. wenn man so wie Borja und du gestern die Verantwortung für eine Bootsbesetzung von Kiteschülern trägt und die Hälfte sich angesichts der Bedingungen das ein oder andere „durch den Kopf gehen lässt“ ist man offensichtlich ziemlich gefordert. So eine Session wie gestern mehrfach die Woche, das schlaucht bestimmt (ich hab jedenfalls geschlafen wie ein Stein:-)).
    Ergo… wenn man so wie du „work’n travel“ praktiziert, kommt das Element „work“ mit Sicherheit nicht zu kurz.
    Du hast dich, wenn ich das mal so platt formulieren darf, auf den Weg gemacht, weil du Erfahrungen machen möchtest, die dir unter „normalen“ Umständen in den geregelten Bahnen eines normalen Lebens nicht vergönnt wären. Und da hast du mit Sicherheit auch Recht.
    Mir wäre so ein Schritt nie in den Sinn gekommen… aber weißte was? Ich bin verdammt froh, dass DU dich dafür entschieden hast. Bei deinem Work’n travel häufst nämlich nicht nur du für dich deine Erfahrungen an. Du ziehst wahrscheinlich auch eine tiefe Spur an glücklichen und zufriedenen Kiteschülern „hinter dir her“, die du auf deinem Weg mit sehr viel Geduld, Leidenschaft und pädagogischem Talent für diesen tollen Sport zu begeistern weißt. Bei mir hast du jedenfalls den Virus gesetzt und ich werde gewiss bei meinen nächsten Versuchen auf dem Board noch an vieles von dem denken, was Olli gesagt hat. Ich wünsche dir noch einen tollen weiteren Weg …. immer genügend Wind im Kite und noch viele tolle Erfahrungen. Ich werde voller Neugier den „windtramp“ weiter verfolgen …. vielleicht kommt der Lehrer ja wieder nach Fuerte zurück…. oder vielleicht kommt der Schüler irgendwann in einem Urlaub mal zum Lehrer 🙂 …. nos vemos, amigo y bueno viaje

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