Kanaren – Kiten und Kunst, Kuba und Kap Verden

P1010003Die Sonne verschwindet langsam hinter dem Vulkan von Villaverde im Norden Fuerteventuras. Die Schiebetür des Ateliers fährt zu. Mit energetischen Schritten geht es ins nächste, selbstgebaute Gebäude gleich nebenan. Sport, oder besser gesagt „funcionl training“ ist angesagt. Es ist Luis de Dios „Kuky“, der sich hier in einem ruhigen Dorf niedergelassen hat. Neben seiner Kunst beinhaltet sein Leben eine große Portion Sport. Einen Teil des Tages mit Kreativität in Form von Zeichnen, Skulpturen erstellen oder Schreiben zu verbringen und den anderen Teil mit Surfen, Kiten, Laufen, Krafttraining uvm. ist sein Leben. In diesen Tagen eröffnete er seine Galerie in Corralejo. Viele Freunde und Kunstliebhaber fanden sich ein. Ein sehr interessanter Abend, an dem Kuky seine Ideen und Geschichten zu jeder seiner Bilder mit viel Freude erklärte.

20160801_180849Frank und Basti aus der fränkischen Heimat sind für eine Woche zu Gast. Das Busdach wurde für eine Woche hochgeklappt, sodass jeder genug Platz zum Schlafen hatte. Zu Studentenzeiten machten wir damals mit dem Bus unsere Kiteerfahrungen im Norden Deutschlands. Insofern war es ein Revival eines eingespielten Teams bei weitaus angenehmeren Temperaturen als vor einigen Jahren auf 8m². Viel Kiten stand auf dem Programm. Sowohl im Süden als auch im Norden Fuerteventuras wurden alle Kitespots abgefahren. Die Beiden brachten mir ein wenig Heimat mit. Und es war grandios in ihren Augen das Funkeln nach dem Kiten in Flagbeach, Piedra Playa oder in der Lagune von Cotillo zu sehen. Vielen Dank für den Besuch Jungs!

IMG_9453Gemeinsam besuchten wir den Strapless Kiteboarding World Cup in Sotavento im Süden Fuerteventuras. Airton Cozzolini, Matchu Lopez & Co. gaben sich die Ehre. Mit Surfbrettern ohne Fußschlaufen (=strapless) und Kite zelebrierten sie waghalsige Tricks bei sehr rauen Windverhältnisse mit über 40 Knoten. Am Ende stand Airton Cozzolini auf dem Siegerpotest ganz oben. Mit einen spektaluären Trick (crazy horse), mit dem Brett zwischen den Beinen geklemmt und kiteloopend durch die Luft fliegend, schaffte er die Wende im Finale gegen Matchu Lopez.

Die Zeit in Fuerteventura und somit in Spanien geht dem Ende entgegen. Letztes Jahr im September überquerte ich mit dem Rad an der Mittelmeerküste die spanische Grenze von Frankreich kommend. Dieses Jahr Ende September werde ich Spanien in westlicher Richtung verlassen. Letztendlich war es eine Bauchentscheidung wohin es gehen wird. Wie ich bereits geschrieben habe stand Kap Verden auf der Agenda. UnbenanntDie Zeit auf einer Insel hat allerdings Spuren hinterlassen. Die örtliche Begrenztheit hat mir zunehmend zu schaffen gemacht. Von Corralejo nach Cotillo fährt man entspannte 20 Minuten (siehe Bild). Mit der Zeit ohne Aussicht auf ein Verlassen der Insel fehlte mir die Luft zum Atmen. Mein Empfinden haben mir die Einheimischen bestätigt. Mindestens zweimal pro Jahr verlassen sie die Insel. Lange habe ich überlegt wie es weiter geht. Lange Zeit dachte ich mein Körper wird sich an den schaukeligen Untergrund „Meer“ gewöhnen. Während den Kitestunden mit dem Boot spüre ich fast keine Seekrankheit mehr. Nur manchmal zum Ende der Lehreinheit. Aber eine dreiwöchige Überfahrt von den Kanaren in die Karibik – nein. Man muss seine Grenzen akzeptieren. Auch das ist ein Hintergrund einer Reise – seine Grenzen zu erfahren. Der Vorsatz vor Reiseantritt war Flüge zu vermeiden. Jetzt bin ich darauf angwiesen um körperlich nicht völlig marode auf dem anderen Kontinent anzukommen. Ach ja, ganz vergessen zu erwähnen wo es eigentlich hin geht – Kuba statt Kap Verden. Eine noch kleinere Insel als Fuerteventura hätte mir wahrscheinlich jede Reiselust genommen. Auch wenn die Wellen und der Wind in Sal auf den Kap Verden einmalig sind. So wird sich dieser Zustand in den nächsten Jahren wohl nicht viel ändern. Kap Verden wartet weiterhin auf mich, aber Kuba nicht. Kuba wird sich stark verändern. Und somit ist jetzt ein guter Moment das Rad nach Kuba zu bringen. Die Sprache, ein letzter Duft Sozialismus, eine andere Zeitskala und angenehme Radfahrbedingung verschaffen viel Vorfreude und einen angenehmen Einstieg in den zentralamerikanischen Kontinent. Zumindest habe ich nach Stefan Zweig (https://windtramp.org/2015/03/10/reisen-oder-gereist-werden-von-stefan-zweig-1881-1942/) die Kanaren nicht mühelos erreicht. Nein, die Reise hierher war anstrengend. Meterhohe Wellen, umringt vom blaue Ozean eine Woche lang, Übelkeit, Vollmondnächte auf dem Deck, Gedanken an das ersehnte Ankommen. Und beim Schreiben dieser Zeilen würde mich es schon wieder reizen, die Herausforderung Atlantiküberquerung anzunehmen. Aber was sind wir, wenn wir nicht aus unseren Erfahrungen lernen und unsere Grenzen nicht akzeptieren – dumm oder mutig? Insofern nehme ich jetzt eine gewisse Annehmlichkeit mit dem Flug nach Havanna in Kauf.

Bis dahin bleiben nun noch 4 Wochen auf Fuerteventura. Die Hauptsaison neigt sich langsam dem Ende entgegen. Anfang August waren Frank und Basti zu Gast. Nun ist es Anfang September. Eine arbeitsintensive Zeit liegt hinter uns bei Redshark Kiteschule. Gestern war ich seit nun fast 10 Tage wieder auf dem Wasser. P1010184In Majanicho einem einsamen Fischerdorf wird der Einstieg ins Wasser über Vulkangestein erschwert. Flachwasser und Wellen schaffen Distanz zum arbeitsreichen Alltag. Und morgen endlich, ein windstiller und somit freier Tag! Ich werde das Fahrrad wieder reisetauglich machen.

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